Rezension: Fucking Different XXX

Im Rahmen unseres Salon-Kinos in Berlin haben wir letzte Woche den Film Fucking Different XXX gezeigt: Schwule Filmemacher drehen Filme über Lesben und lesbische Regisseurinnen über Schwule.
Vor sechs Jahren gab es aus Berlin den ersten Film dazu , inzwischen ist es ein weltweites Phänomen geworden: Für »Fucking Different XXX« fanden sich erstmals acht prominente internationale Filmschaffende zusammen, um das jeweils »andere« Geschlecht sexuell in Szene zu setzen. Dabei steuerten sie ganz persönliche Beiträge von einem Ort ihrer Wahl bei.

In New York, Berlin, Paris und San Francisco entstanden Arbeiten von Maria Beatty, Jürgen Brüning, Emilie Jouvet, Manuela Kay, Bruce LaBruce, Kristian Petersen, Courtney Trouble und Todd Verow. So begleitet zum Beispiel Todd Verow (»Little Shots of Happiness«) Pornostar Judy Minx beim Cruising in Paris, Maria Beatty (»Post Apocalyptic Cowgirls«) inszeniert ihre Version von Abel und Kain in einer New Yorker Schwulenbar, Kristian Petersen dreht einen heißen Quickie auf der Toilette des Kreuzberger Szeneclubs Südblock, Manuela Kay (»Airport«) zeigt wie romantisch ein Fistfuck in freier Natur sein kann und Jürgen Brüning (Veranstalter des Pornfilmfestival in Berlin) erzählt von einem spielerischen Nachmittag mit Tennisbällen, großen Bällen, Orangen und anderen Früchten.

Wie es bei den Filmschaffenden eigentlich nicht anders zu erwarten war, bot sich in 8 Kurzfilmen eine bunte Mischung dar. Für mich als „Hete“, die weder die schwule noch die lesbische Szene kennt, war das ein interessanter Einblick. Filmisch waren sie alle gut gemacht, aber geschmacklich war es bei mir nicht immer ein Treffer. Zwischen düster, liebevoll, schräg, humorvoll, sinnlich und doch auch bisweilen extrem war alles mit dabei.

Das Bild hier in diesem Beitrag oben links ist von der Szene „Blümchensex“. An einem lauschigen Nachmittag treffen sich zwei Schwule im Garten und der eine fistet den anderen anal. Dieser Film war eine wunderbare Mischung aus heftig und zärtlich. Die beiden Männer waren ganz ruhig, haben sich viel in die Augen geschaut, dabei gelächelt und es war beiden ganz eindeutig anzusehen, dass da eine Verbindung zwischen den beiden war, dass es da mehr als nur um Sex ging. Das Extreme, aus meiner Perspektive, war jedoch, dass im Po des einen Mannes nicht nur eine Hand verschwand, sondern beide, teilweise war der halbe Unterarm im Darm verschwunden. Und es waren keine zarten Hände, die da mit viel Gleitgel im Inneren verschwanden.

So hatte jeder Film seine spannenden aber auch für mich irritierenden Seiten. Bei Lilith z.B. sah man einen muskulösen Mann (?) mit großem Penis, aber auch prallen Brüsten, markanten Gesichtszügen, schrill geschminkt. Sehr irritierend, weil das Gehirn dauernd versucht, diesen Widerspruch miteinander in Einklang zu bekommen. Hinzukam eine düstere mystische Stimmung, die eher schräg war.

Beim Film Martina.xxx (Bild rechts) jedoch gab es eine eher alberne Stimmung. Zwei junge Frauen bewerfen und verwöhnen sich mit und auf unterschiedlich großen Bällen. Eine heitere ausgelassene Stimmung, aber dafür auch nicht so sinnlich-stimmungsvoll.

Mir ist auf jeden Fall mal wieder aufgefallen, dass viele Faktoren dazu beitragen, ob man einen Film erotisch oder interessant findet: Sind die Darsteller/innen nach dem eigenen Geschmack? Passt die Musik bzw. der Ton? Regt der Ort die Fantasie an? Haben die Darsteller wirklich eine Verbindung zueinander oder benutzen sie nur gegenseitig die Geschlechtsorgane? Ist der Film eher erotisch oder humorvoll? All das sind sehr subjektive Faktoren, die je nach Hintergrund und Geschmack unterschiedlich empfunden werden.

Doch hat der Film seinen eigenen Anspruch erfüllt? „»Fucking Different XXX« zeigt eine so noch nie da gewesene Vielfalt von sexuellen Spielarten und Varianten, jenseits aller Klischees mit frischem, humorvollem Blick auf Sexualität.“

Dazu kann ich nur sagen, dass einige Klischees doch erfüllt wurden: Die Lesben hatten alle kurze Haare, die Schwulen hatten die extremeren Praktiken, den pornotypische „Nähmaschinensex“ gab es in fast allen Szenen. Andere Klischees wiederum wurden auch gebrochen: Die zärtlichen Szenen der Schwulen brachen mit dem Klischee des harten und beziehungslosen Schwulensex, und die Lesben haben nicht nur miteinander gekuschelt. Die gezeigten Spielarten waren zumindest mir alle bekannt.

Für wen also lohnt sich der Film? Sicherlich mehr für alle, die sich in der schwul-lesbischen Szene bewegen, für normale Heteros ist es eher ein interessanter Einblick in einen eher unbekannten Bereich. Wer bereit und offen dafür ist, sich das einfach mal anzuschauen und dann darüber zu diskutieren, der sollte sich diesen Film einmal anschauen.

Der Film läuft hier in Berlin noch bis zum 22. Februar im www.moviemento.de, aber auch in anderen Kinos bundesweit. Einfach mal in der örtlichen Presse nachschauen.