"Die Zeugin" von Mick Zoch

„Die Zeugin“
von Mick Zoch


Wie eine schweigende Nonne
Sitzt sie züchtig auf dem Sofa.
Den Engelsblick
Gesenkt zu Boden,
Das Haar gestreng
Zum Zopf gebunden.
Ein Buch in ihrem Schoß,
Auf trauerflornem Rock,
Zum Gebet verschränkt
Die reinen Hände,
Füße gekreuzt
Zum Zeichen der Andacht.
Ein Blumenbild rahmt
Ihr Erwachen,
Unter der Bluse
Rauschende Träume
Von magischen Fingern
Auf gleißender Haut,
Von salziger Zunge
Wirbelnd in Kreisen.
Diebisch vergraben sich
Hände in Brüste,
Zerwühlen,
Den klösterlichen Schein.
Plötzlich brennt sie lichterloh,
Hinfort mit nonnenhaften Masken,
Züngelnde Flammen
Umsausen sie lachend,
Künden vom Steigflug aus
Sumpfigem Grund.
Die Lippen verbissen,
Sengender Atem,
Augen wie Sonnen
Am Rande des Seins.
Ganz und nur Fleisch ist sie nun,
Rast entzündet
Durch Sternenschluchten,
Zischt empor in äthrige Sphären,
Zeugin des Knalls
Am Anfang der Zeit.

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