Sex sells. So lautet das gängige Credo der Werbewirtschaft. Man sollte also meinen, dass Erotikmagazine ein totsicheres Geschäft sind. Doch das Gegenteil ist der Fall. Selbst das wohl bekannteste Männermagazin aus den USA, der Playboy, kämpft seit Jahren mit sinkenden Werbeeinnahmen und Auflagen. Das Überangebot im Internet zieht Leserinnen und Leser weg vom gedruckten Magazin hin zu kostenlosen oder günstigen Online-Angeboten. Und das der Erotikbranche immer noch anhaftende Schmuddelimage hält große Werbekunden davon ab, in Erotikmagazinen Werbung zu schalten. Zu groß ist die Furcht vor einem Imageverlust.
Trotzdem gibt es eine kleine Zahl engagierter Verlage und Einzelpersonen, die im Eigenverlag den großen Häusern trotzen und anspruchsvolle Erotikmagazine produzieren. Wir zeigen, welche Magazine 2026 noch existieren, welche Online-Alternativen es gibt und welche Klassiker mittlerweile zwar eingestellt sind, aber so wichtig für die Szene waren, dass sie hier nicht fehlen dürfen.
Inhaltsverzeichnis
Was macht ein anspruchsvolles Erotikmagazin aus?
Bevor wir in die einzelnen Magazine gehen, eine kurze Einordnung. Was unterscheidet ein anspruchsvolles Erotikmagazin von einem klassischen Männerheft im Stil von Playboy oder einer Pornozeitschrift?
Inhaltliche Tiefe. Anspruchsvolle Magazine kombinieren erotische Inhalte mit redaktionellen Beiträgen, Essays, Reportagen, Interviews oder wissenschaftlich fundierten Texten. Sie behandeln Sexualität als Teil von Kultur, Beziehung und Selbstverständnis, nicht als reines visuelles Konsumgut.
Eigenständige Bildsprache. Statt austauschbarer Hochglanz-Aktfotografie setzen anspruchsvolle Magazine auf eigene fotografische Handschriften. Oft arbeiten sie mit künstlerischen Aktfotografinnen und Aktfotografen oder mit Models, die jenseits der gängigen Schönheitsnormen liegen.
Klare Zielgruppen-Ansprache. Während die Mainstream-Erotikheftchen meist eine möglichst breite Männlichkeit ansprechen, richten sich anspruchsvolle Magazine an klar umrissene Zielgruppen: Frauen, BDSM-Interessierte, Paare, Kulturaffine.
Unabhängigkeit vom Großverlag. Fast alle anspruchsvollen Erotikmagazine im deutschsprachigen Raum werden im Eigenverlag oder kleinen Verlag produziert. Das ist kein Zufall: Große Häuser meiden das Risiko, kleine Macherinnen und Macher können hingegen mit Leidenschaft arbeiten und auch Themen abdecken, die kommerziell schwierig sind.
Aktive deutschsprachige Erotikmagazine
Stand Mai 2026 erscheinen im deutschsprachigen Raum noch drei nennenswerte Print-Erotikmagazine regelmäßig. Drei. Das ist überschaubar, aber jedes davon hat ein klares eigenes Profil.
Séparée: Das Erotikmagazin für Frauen

Séparée wird seit 2014 herausgegeben und ist Stand Mai 2026 bei Ausgabe Nummer 48 angekommen. Das Magazin richtet sich explizit an Frauen, behandelt Erotik aber als Teil weiblicher Lebenswelt: Beziehung, Selbstbefriedigung, Polyamorie, sexuelle Gesundheit, Tantra, BDSM, ausführliche Sextoy-Tests. Jede Ausgabe kombiniert Reportagen mit literarischen erotischen Geschichten und sinnlich-künstlerischen Fotostrecken.
Séparée hat 2022 die Auszeichnung als bestes Independent Magazin erhalten und gilt aktuell als das wichtigste deutschsprachige Erotikmagazin für ein weibliches Lesepublikum. Zusätzlich gibt es das Schwestermagazin KISSED, das sich auf erotische Fotografie konzentriert.
Fakten zum Magazin Auflage: ca. 20.000 Erscheinungsweise: vierteljährlich Seitenumfang: ca. 100 Seiten Preis: 9,90 Euro pro Heft (E-Paper günstiger), Abo verfügbar Zielgruppe: Frauen zwischen 20 und 59, weltoffen, kulturaffin Verkaufsstellen: Bahnhofsbuchhandel, eigener Online-Shop Webseite: separee.com
Schlagzeilen: Das Magazin der BDSM-Szene

Die Schlagzeilen sind das mit Abstand wichtigste Magazin der deutschsprachigen BDSM-Szene und erscheinen seit 1988 im Hamburger Charon-Verlag. Stand 2026 sind über 130 Ausgaben erschienen. Herausgeber Matthias T. J. Grimme ist gleichzeitig Autor zweier Standardwerke der Szene (Das SM-Handbuch, Das Bondage-Handbuch).
Die Inhalte mischen Reportagen, Buchrezensionen, Künstlervorstellungen, Geschichten, Fotostrecken, Veranstaltungshinweise und Kontaktanzeigen. Bemerkenswert: Ein Großteil der Beiträge stammt von Leserinnen und Lesern, in manchen Ausgaben sind mehr als die Hälfte von Frauen geschrieben. Das Magazin verzichtet bewusst auf Darstellungen potenziell lebensgefährlicher Praktiken. Wer authentische Innensicht der deutschsprachigen BDSM-Welt sucht, kommt an den Schlagzeilen nicht vorbei.
Fakten zum Magazin Auflage: ca. 3.500 Erscheinungsweise: sechs bis sieben Mal pro Jahr Seitenumfang: 96 Seiten Preis: 14,90 Euro pro Heft, Abo Inland 88 Euro, Ausland 103 Euro Zielgruppe: BDSM- und Fetisch-Interessierte Verkaufsstellen: Erotikfachhandel, SM- und Fetischshops, eigene Webseite (kein Bahnhofsbuchhandel) Webseite: schlagzeilen.com
Jungsheft und Giddyheft: Authentische Körper jenseits der Hochglanzwelt

Das Jungsheft (seit 2005, aktuell bei Ausgabe 35) und das Schwesterheft Giddyheft (seit 2007, aktuell bei Ausgabe 32) sind ein Selbstverlags-Projekt der beiden Macherinnen Nicole Rüdiger und Elke Kuhlen. Rechtlich gelten die Hefte als Pornoheft (Abgabe ab 18 Jahren), inhaltlich sind sie das genaue Gegenteil von Hochglanz-Pornografie. Hier finden sich keine Models mit Topmaßen, sondern junge Frauen und Männer aus dem Alltag. Die Bildsprache erinnert eher an Privatfotos als an kommerzielle Erotikfotografie.
Neben den Fotos gibt es redaktionelle Beiträge zu Themen, die in Mainstream-Magazinen keinen Platz haben: roter Sex (Sex während der Menstruation), vorzeitige Ejakulation, erste Erfahrungen im Swingerclub. Das Jungsheft richtet sich an junge Frauen, das Giddyheft an junge Männer. Viele Leserinnen und Leser bestellen beide Hefte zusammen. Für 2026 gibt es zudem neue Kalender.
Fakten zu den Magazinen Auflage: jeweils ca. 3.000 Erscheinungsweise: halbjährlich Seitenumfang: 60 Seiten Preis: 6 Euro pro Heft, Sammelbestellungen günstiger Verkaufsstellen: über die eigene Webseite, ausgewählte Erotikshops Webseite: jungsheft.de / jungsheft.de/giddy
Online-Erotikmagazine als Alternative zum Print
Der Print-Markt ist klein geworden, aber im Web hat sich eine vielfältige Erotikmagazin-Landschaft entwickelt. Wer kein gedrucktes Heft braucht oder die wenigen Print-Optionen ergänzen will, findet online ein deutlich breiteres Spektrum.
Erosa (das Magazin, das du gerade liest)
Erosa ist seit über 25 Jahren als Erotikportal aktiv und versteht sich als das schmuddelfreie Magazin der Branche. Hier findest du redaktionelle Beiträge zu allen Aspekten von Erotik und Sexualität, von BDSM über Swinger und Tantra bis zu Sextoy-Tests, Buchrezensionen, Filmempfehlungen und einem aktiven Bereich für erotische Geschichten. Im Unterschied zu vielen kommerziellen Portalen hat Erosa eine ausgewiesen redaktionelle Haltung mit kritischer Auseinandersetzung mit Themen wie Pornografie, Sex-Arbeit und Selbstbestimmung.
Femtasy: Audio-Erotik als modernes Magazin
Femtasy ist streng genommen kein klassisches Magazin, sondern eine Audio-Plattform für sinnliche Hörgeschichten. Aber Femtasy hat das Format der Audio-Erotik so professionalisiert, dass es funktional die Rolle eines Magazins übernommen hat: redaktionell kuratierte Inhalte mit klarer Handschrift, klare Zielgruppe (vor allem Frauen), regelmäßiges neues Material. Wer das gedruckte Heft als Form überlebt hat, aber moderne erotische Inhalte mit Charakter sucht, ist bei Femtasy gut aufgehoben.
Webseite: femtasy.com
Dame Magazine: Englischsprachige Inspiration
Das Dame Magazine ist eines der wichtigsten englischsprachigen Erotikmagazine und stark im Bereich sex-positive Aufklärung, weiblicher Lust und Sextoy-Reviews. Es ist eng mit Dame Products verbunden, einer Sextoy-Marke, die mit aufwendigen redaktionellen Inhalten arbeitet. Für deutschsprachige Leserinnen und Leser, die etwas Englisch können, lohnt sich der Blick: Inhalte und Bildsprache sind in vielen Punkten weiter als das, was hierzulande erscheint.
Webseite: dameproducts.com/blogs/sexually

Eingestellte Klassiker: Die Nirwana-Sektion
Nicht jede Zeitschrift hat es geschafft, sich langfristig auf dem heiß umkämpften Print-Markt zu behaupten. Hier listen wir Magazine, die einmal wichtig waren, mittlerweile aber den Kreislauf des Erscheinens und Verkaufens verlassen haben. Manche dieser Hefte sind noch antiquarisch oder als Restbestand zu bekommen, andere existieren nur noch in Erinnerung.
Feigenblatt-Magazin (2005 bis 2022)

Lange Zeit das Aushängeschild der anspruchsvollen Erotikmagazin-Szene. Anja Braun und ihr Mann Herbert Braun produzierten das Magazin im Eigenverlag, jede Ausgabe hatte ein eigenes Schwerpunktthema, dazu Buchrezensionen, erotische Geschichten und großformatige Aktbilder. Nach der ersten Einstellungsphase 2013 (Geburt der Zwillinge) folgte 2015 ein erfolgreicher Crowdfunding-Neustart. Im Jahr 2022 wurde das Magazin nach Ausgabe 30 endgültig eingestellt. Auf der Website werden Restbestände und E-Paper weiter verkauft. Letzte Ausgabe: Nummer 30, Schwerpunkt Scham Webseite: feigenblatt-magazin.de
Das Tantra-Special (1987 – 2015)

Ein Ableger des spirituellen Magazins Connection, herausgegeben von Wolf Schneider im Eigenverlag. Das Tantra-Special war eine wichtige Plattform für die deutschsprachige Tantra-Szene und brachte Beiträge bekannter Tantra-Lehrerinnen und -Lehrer. Eingestellt wegen Wirtschaftlichkeitsproblemen. Alte Hefte können noch nachbestellt werden.
reizvoll Magazin (2013)
Ein Ableger des spirituellen Magazins Connection, herausgegeben von Wolf Schneider im Eigenverlag. Das Tantra-Special war eine wichtige Plattform für die deutschsprachige Tantra-Szene und brachte Beiträge bekannter Tantra-Lehrerinnen und -Lehrer. Eingestellt wegen Wirtschaftlichkeitsproblemen. Alte Hefte können noch nachbestellt werden.
Verführer Berlin (2007-2012)

Ein kostenloses Berliner Heftchen, das anfangs erotische Adressen der Stadt vorstellte. 2012 thematisch in Richtung Mode, Beauty und Wellness umgeschwenkt und damit faktisch aus der Erotikmagazin-Kategorie ausgeschieden.
Eden pure sensual (2011)
Ein Münchner Projekt, das ambitioniert mit dem Anspruch startete, das Top-Frauen-Erotikmagazin zu werden. Trotz aufwendigem Layout und positivem Feedback gab es nach zwei Ausgaben Investorenprobleme. Webseite offline.
P. O. Magazin (2008 – 2011)

Ein Magazin im Swinger-Umfeld, eine Zeit lang in Kooperation mit Joyclub. Knallige Bildwelten, schwankende redaktionelle Qualität, nach 14 Ausgaben eingestellt.
Alley Cat (2008 – 2010)
Das wohl prominenteste Beispiel dafür, was passiert, wenn ein erfolgreiches Independent-Erotikmagazin von einem Großverlag aufgekauft wird. Burda kaufte die Zeitschrift der beiden Studentinnen Ina Küpers und Co. auf, glättete die Inhalte und kassierte einen Flop. 2011 eingestellt.
Secrets (2009)
Eine einzige Ausgabe brachte der Teichmann Verlag heraus, ein eigentlich auf Kochmagazine spezialisierter Verlag. Nach mangelnden Verkaufszahlen sofort wieder eingestellt.
Häufige Fragen
Welche Erotikmagazine gibt es 2026 noch in Print? Im deutschsprachigen Raum sind aktuell drei nennenswerte Print-Erotikmagazine aktiv: Séparée (für Frauen), Schlagzeilen (BDSM und Fetisch) und Jungsheft/Giddyheft (authentische, nicht-kommerzielle Bildwelten).
Wo kann ich Erotikmagazine online lesen? Online gibt es eine breitere Auswahl. Magazine wie Erosa, Femtasy oder das englischsprachige Dame Magazine bieten redaktionellen Erotik-Content frei zugänglich oder im Abo. Séparée und Schlagzeilen vertreiben auch E-Paper über ihre eigenen Shops.
Gibt es Erotikmagazine für Frauen? Ja, Séparée richtet sich explizit an Frauen und ist Stand 2026 das wichtigste deutschsprachige Erotikmagazin für ein weibliches Lesepublikum. Auch Femtasy hat eine überwiegend weibliche Zielgruppe.
Was kostet ein anspruchsvolles Erotikmagazin? Print-Einzelhefte liegen je nach Magazin zwischen 6 und 15 Euro. Abonnements sparen meist etwas und kosten zwischen 30 und 90 Euro pro Jahr. Online-Magazine sind häufig kostenlos oder kosten zwischen 5 und 15 Euro pro Monat im Abo.
Was ist mit dem Playboy? Der Playboy erscheint weiterhin, gehört aber strukturell zu den großen Mainstream-Magazinen und nicht zu den anspruchsvollen Independent-Titeln, die wir hier vorstellen. Wer den Playboy mag, findet ihn problemlos am Kiosk.
Wo gibt es ein gutes BDSM-Magazin? Die Schlagzeilen sind seit über 35 Jahren das wichtigste deutschsprachige BDSM-Magazin und werden im Charon-Verlag in Hamburg produziert. Erhältlich im Erotikfachhandel und direkt über den Verlag.
Gab es früher mehr Erotikmagazine? Deutlich mehr. In den 2000er und frühen 2010er Jahren gab es zeitweise zehn und mehr Titel parallel. Der Markt hat sich seither stark konsolidiert. Viele ambitionierte Projekte sind an Werbeanzeigen-Knappheit, fehlenden Investoren oder schlicht der Konkurrenz durch kostenlose Online-Angebote gescheitert.
Fazit
Der deutschsprachige Erotikmagazin-Markt ist in den letzten zehn Jahren stark geschrumpft. Was übrig ist, ist klein, aber stark. Séparée, Schlagzeilen und Jungsheft/Giddyheft decken drei sehr unterschiedliche Profile ab und haben jeweils eine treue Leserschaft, die ihre redaktionelle Qualität zu schätzen weiß. Wer breiter sucht oder ein digitales Format bevorzugt, findet online mit Erosa, Femtasy oder Dame Magazine zeitgemäße Alternativen. Und für Klassik-Fans bleibt der antiquarische Markt: Viele der eingestellten Magazine, allen voran Feigenblatt, sind als Restbestand oder E-Paper noch zu bekommen und lohnen sich für Sammlerinnen und Sammler bis heute.

