„Arthur trank Rosa“ (Auszug) von Christof Hoyler

Es geschah, dass Arthur Rosatrinken wollte. Das kam, weil er sie liebte. Zumindest war er restlos davonüberzeugt. So kam es denn auch, nach wochenlangen Verfolgungen dieses Zieles,dass ihm eines blauen Tages rosa ihre Brüste schimmerten und noch rosaner ihreBrustwarzen, in seinen ersten, noch schüchternern Blicken über die Wellendünenihrer Haut. Jede Pore ihrer Haut wollte er trinken, mit all dem Durst aus dereinsamen Wüste hinter sich, allein und noch nicht Rosa. Doch diese wüste Zeitlag hinter ihm. Jetzt und hier lag Rosa, vor ihm, rosa. Lieben ist wie Hoffenund sich lieben ist wenn Wasser zu Wein wird, dachte sich Arthur – und machtesich daran:

Es begann mit zarten Küssen,dort um ihre Schultern. Man könnte auch sagen, ein Pusten in diebeziehungsaufschulternden Dünen von Rosa um dort hoffender Windhauch zu werden.Dieser Windhauch spielte in den feinen, nahezu unsichtbaren Häarchen ihrerHaut, die ihm, nun endlich zugewogen, einladend zuwinkten. Und weiter, in derStrömung seiner Küsse, zogen vor seinen Augen jene leichten Kanäle undVertiefungen vorbei, in denen er sich liebend verlor. So sehr, dass es Arthurwar, als sähe er in jeder dieser Poren tief hinein in Rosa, so tief, dass ersich dort drinnen, auf dem Grund ihrer Seele, wiederzuerkennen glaubte. Derartversunken in Gedanken über sie und sich, küsste er weiter an den krönendenTürmchen ihrer Brüste vorbei und ließ schließlich seine Lippen, leichtschmatzend, die dünenweichen Abhänge dort hinunterkullern, in das sich hebendeund senkende Meer ihres Bauches.

Alternde Asiaten lassenreihenweise Nashörner, Pandabären, Tiger und allerlei anderes Getier umlegen,in der Hoffnung auf aphrodisierende Extrakte aus deren diversen Körperteilenfür ihr Körperteil. Wenn sie die Wirkung dieses süß-herben Weines in derFlasche auf der Ablage neben dem Bett von Rosa und Arthur gekannt hätten,hätten sie vielleicht eine hübsche Summe dafür geboten. Wahrscheinlich auchnoch für Rosa dazu. Doch Asien war weit und Arthur hatte anderes im Sinn.Arthur wollte Rosa trinken.

Rosa musste geahnt haben, wasArthur plante als er an der Flasche nippte. Ihre erwartenden und für Arthur soleuchtenden Augen folgten seinem gespitzten Mund auf dem Weg zu ihrem Mund, biszu dem Moment als die beiden sich trafen, um gemeinsam ihre Lippen und ihre Zungenin Wein zu tränken. Ein Ränkespiel gereifter, süßer Trauben eines warmenSpätsommertages.

Und wieder beugte sich Arthurhinüber zu der Flasche um daran zu nippen, über den Hals hinweg Rosa dabeibetrachtend, die ihn gleichfalls betrachtete, in diesem getrübten Licht desverbliebenen Tages. Rosa sagte nichts und Arthur konnte nichts sagen, weil erden Mund voll hatte, auch dann noch als die Flasche abgesetzt war.

Er ließ seineliebesträumerischen Augen ihren Augen entschwinden um sein Augenmerk auf denAnsatz ihrer Brüste zu senken. Noch weiter, noch weiter senkten sich seineAugen, hinab auf die Kronen ihrer Busen, bis sein Mund eine der Beiden mitgenussvoll sich schließenden Augen weintränkend trank, als wäre sie einkostbarer Becher der Lust.

Hast du je einen Becher seufzenhören vor Lust darüber, dir deinen Durst zu stillen? – So seufzte Rosa.

Nun sind Brustwarzen keineBecher und wenn man nicht aufpasst, läuft die ganze Sauce aufs Bett und dieganze Liebesmühe wäre vergebens. So kam denn Arthur auch auf die nächste Idee:direkt aus Rosas Bauchnabel zu nippen.

Leicht zuckend als die kühleFlüssigkeit den Nabel ihrer körperlichen Welt füllte zog Rosa den Bauch etwasein. Bevor es verloren sein würde, schlürfte Arthur mit flinker Zunge dasÜbergeschwappte. Er musste dazu, geradezu artistisch, die Flasche ebenso wiesich waagerecht über Rosas Bauch balancieren. Nachdem dies vollbracht war,holte er kurz Atem und blickte auf in Rosas Augen um stillen Applaus und umsich ihres Gefallens an der Sache zu versichern. Als dies befriedigtfestgestellt war, stellte er die Flasche wieder zurück auf die Ablage, die diesmit einem dumpfen, gluckernden Lachen Wein in ihr kommentierte.

Seine Hände waren nun frei. Jetztkonnte er mühelos trinken, jeden Tropfen auskostend, den Wein, und all die nochüberreichlich verbliebenen aphrodisierenden Botenstoffe in Rosas Bauchnabelsee.Es waren dennoch nicht genug. Und Rosa kitzelte es mehr als alles andere. Eslag auf der Hand, dass ein anderer Weg gefunden werden musste, Rosa zu trinken.Im Grunde wussten sie es beide schon. Bereits der erste Schluck an Rosa hattedas nahegelegt.

Ein weiteres Nippen aus deraufgluckernden Weinflasche, dazu Speichel und noch etwas Schweiß und Schmalzaus Rosas Nabel, auch etwas Seifenreste und verdampfter Urin mit Sekreten ausRosas Ovarien vermischt, belegt mit einigen gekräuselten Schamhaaren,dunkelbraun … Es hört sich nicht besonders appetitlich an, aber Arthur trankdas alles mit Genuss. Und um so mehr mit Genuss als Rosas Schenkel darum unterseinen Händen bebten.

Seine Zunge, in ihren MühenRosas Klitoris zu umstreichen, streckte sich so weit sie konnte, so weit, dasses fast schon weh tat. Seine Nase vergrub sich derweil tief in ihren Schamhaaren,die sich feucht an seinen Sinnen in ihr rieben. Es roch nach Wein und Rosa miteinem verbliebenen Hauch Geschmack des oben erwähnten Gemisches. Dessenungeachtet legte Arthurs Zunge allerliebste Grüße für Rosa in seine Mühen. Rosazuckte manchmal aus verständlichen Gründen, aber stieß so gegen seine Zähne. Erlegte seine Oberlippe über seine Zähne um sie zu entschärfen an solch delikaterStelle Rosas und ohne sich weiter beirren zu lassen, setzte er fort zu trinkenan Rosa. Mit Wein. Er war schließlich ein Aphrodisiakum und Arthur hattesowieso schon eine Überdosis davon.

Rosa hauchte und seufzte undwand sich von Mal zu Mal mehr und es hörte sich nicht danach an, als ob siewolle, dass es aufhöre. Vielleicht sah sie hinter ihren geschlossenen Augen dasGesicht Arthurs. Doch das wahre Gesicht Arthurs aber lag zwischen ihren Beinenund hatte Mühe Luft zu bekommen. Arthur bergte deshalb seine Nase für einenMoment aus seinen Sinneswahrnehmungen und blickte über Rosas Nabel hinweg durchdas Tal ihrer Brüste auf ihr Kinn. Rosa musste aus dieser Position heraus einDoppelkinn machen, um ihn fragend anzuschauen, warum er denn nicht weitermache.Arthur entrenckte etwas seine Zunge und fuhr fort.

Es dauerte. Zwischendurchüberlege Arthur, ob er nicht aufhören sollte, Rosa weiter und weiter so zutrinken und sich einfach auf sie legen. Schließlich blieb er auch nichtungerührt von dem Ganzen. Er ließ es sein. Rosa hatte offensichtlich so vielSpaß dabei, dass er sie nicht in ihren Träumereien von ihm stören wollte. Erschluckte das störende Schamhaar herunter.

Er liebte Rosa. Er liebte allesan Rosa. Er liebte Rosas Brüste. Seine Hände suchten sie. Die Brustwarzen warennoch steif und feucht von ihm und dem Wein. Vorsichtig drehte er sie zwischenseinen Fingern im Takt seiner Zunge in und um und um Rosas Vulva herum.

Rosas Altstimme stieg zuMezzosopran weiter zu Sopran und wieder hinunter zu Alt. Dies veranlassteArthur noch einmal kurz und tief Luft zu holen, um anschließend seine Nase undZunge extrazärtlich in Rosa zu vergraben. Rosa hielt seinen Kopf dabei.

Jetzt oder nie. Lange konnte ernicht mehr. Gerade war er dabei zu überlegen, ob man eine Klitoris auchknabbern kann um die Sache zu beschleunigen, als Rosa in fast schonbesorgniserregender Weise zu schreien begann. Mit Hilfe ihrer Schenkel hielt ersich die Ohren zu und lauschte dem Rauschen ihrer rosanen Lust.

Der Autor:

Christoph Hoyler ist 41 Jahre alt, war die letzten Jahre von Beruf humanitärer Helfer in verschiedenen Kriegs- und Krisengebieten Afrikas, in noch früheren Jahren aber Berufsmusiker und Liedermacher mit regionalen Erfolgen im Badischen.
Daher auch das musische Erbe und die Lust am Schreiben. Müde von den Kriegen (s.o.) der letzten Jahre geworden, sucht er derzeit nach beruflichen Alternativen – hat aber noch keine gefunden – und geht ansonsten weiter auf Hobbyniveau seinen
Leidenschaften nach: Schreiben und Musik machen, z.Z. im Schwarzwald, wo zwar seine Heimat, nicht aber mehr sein Zuhause ist. Das muss er nach all den Jahren jenseits in Afrika wieder finden, ebenso wie Rosa, die ihm irgendwo unterwegs
abhanden kam.

Kontakt: christof.hoyler@t-online.de

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