Die Pornografin

Von einer, die auszog, die Pornoindustrie zu revolutionieren. Wer diesen Untertitel sich mal genauer auf der Zunge zergehen lässt, wird schmecken, dass das kein einfacher Weg sein kann, den die Filmemacherin Petra Joy bislang gegangen ist. Für sie das das Pornobusiness nicht einfach nur ein Job, für sie ist es die Erfüllung einer Berufung, die ihr das Leben nicht leichter, aber dafür um so erfüllter macht.

Nach einer Zeit in den 80er Jahren, in denen sie den Pornos sehr negativ gegenüber eingestellt war, änderte sich im Laufe der Zeit ihre Meinung und sie erkannte, dass es nicht darum ging, Pornos generell zu kritisieren. Sondern dass es eigentlich darum ging, eine ganz neue Art von Filmen zu kreieren und dem Markt zugänglich zu machen. So berichtet sie von ihren eigenen Erfahrung mit Cybersex in Chatrooms, Begegnungen mit Menschen aus der Londoner Szene, aber auch von ihren Erfahrungen als Fotografin für erotische Porträts. All diese Erfahrungen waren kleine Schritte hin zu ihrer Entscheidung, einen eigenen Porno zu drehen. Sie schildert ihre Darstellersuche, wie die Filme von ihr gestaltet und gedreht werden, aber auch wie schwer es die Pornobranche es ihr gemacht hat und immer noch macht, mit ihren Filmen auf dem Markt mehr Erfolg zu haben. Auch wenn Petra Joy als Frauen-Porno-Filmemacherin schon einen großen Ruf hat, u. a. wurde sie mehrfach für ihre Werke ausgezeichnet, so lässt das große Geld auch nach 8 Jahren noch auf sich warten.

Das Buch ist so absolut ehrlich, wie ich es selten erlebt habe. Petra Joy berichtet von ihren Höhen und Tiefen, von dem, was sie an Freundschaft und tiefer Unterstützung erlebt, aber auch, dass sie sich selbst immer wieder verausgabt und selten wirklich Geld damit verdient. Sie hat bestimmte Vorstellungen, wie ihre Filme zu sein haben und lässt sich auf keine Kompromisse ein, auch auf die Gefahr hin, dass sie ihre DVDs nicht so gut verkaufen kann. Immer wieder betont sie, dass ihr ihre künstlerische Freiheit wichtiger ist als Gewinnmaximierung. Ist das eine Stärke oder ist es eine Schwäche von ihr, sich von ihrem Weg nicht abbringen zu lassen, wie mühsam er auch sein mag? Ich glaube, es ist beides. Eine Berufung sollte einen mit Energie erfüllen und nicht an den Rande eines Burnouts treiben. Aber andererseits: wer hält schon wirklich auch über Jahre und alle Widerstände hinweg an seiner Vision fest?

Unabhängig davon,ob man Petra Joy und ihre Filme kennt oder nicht: Es ist ein absolut spannendes Buch, das sich auf jeden Fall lohnt!!

Bewertung:

Petra Joy, als Taschenbuch und ebook erhältlich, 288 Seiten, Heyne Verlag: 8,99 Euro

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