"Dunkel" von Peter Felix

„Dunkel“
von
Peter Felix

Hatte ich eben einen kleinenFilmriß? Also ein wenig desorientiert bin ich jedenfalls immer noch. Was fälltdiesem Teufelsweib eigentlich ein, mich so fertig zu machen. Wenn ich michjetzt bewegen könnte – was ich eigentlich auch nicht will – dann Mädchen … .Zum Glück kann ich ja nicht. Ich fühle mich immer noch wie in Watte gepackt.Die Geräusche im Zimmer dringen wie durch ein Kissen in mein Bewußtsein. Ichhöre ihren schweren Atem. Ich kann ihn sogar fühlen. Sie atmet so tief undentspannt, daß ich es bis in ihren Beckenboden spüre. Ich spüre ihr herrlichesGewicht auf meinen Lenden. In dem Geruch und der feuchten Wärme, die jetzt imZimmer liegen, lasse ich meine Sinne noch ein wenig baden, bis endlich wiederzu Bewußtsein komme. Hat dieses Luder mich doch tatsächlich dazu gebracht,einfach nur zu genießen. Nicht einmal zusehen durfte ich. Dabei bin ich doch soein ausgesprochenes Augentier. Trotzdem ließ sie mich nichts sehen. Jede ihrerBewegungen durfte ich nur erahnen, ich mußte mir die Szene im Kopfzusammenstellen, wenn ich sie beobachten wollte.

„Ich habe genau gesehen,was du gemacht hast.“

Ich bin wohl immer noch nichtwieder ganz online. Habe ich das jetzt ausgesprochen, oder wollte ich es sagen,oder? Ich glaube, es wird langsam Zeit, sich von den Fesseln zu befreien. DasFesselspiel war zwar nett, aber Knoten knoten ist nicht ihre Stärke. Außerdemmuß ich diese Augenbinde loswerden. Einen Augenblick überlege ich, ob es nun anmir ist, SIE zu fesseln. Ich richte meinen Oberkörper auf und lehne mich gegenihren Rücken. Die Bewegung zieht mich ein Stück aus ihr heraus, was sie zueinem leisen Gurren veranlaßt. Ich umfasse sie. Wie wunderbar warm und feuchtwir uns anfühlen. Anfühlen? Das bringt mich auf eine Idee. Ich schiebe siesanft von meinem Schoß. Sie läßt sich auf die Seite fallen, murmelt etwas von“unerotischer Macho“. Na, na – Warte es doch ab.

Ich stehe auf und mache dieleise Musik ganz aus. Ruhe breitet sich aus. Nur noch unsere beider Atem ist zuhören. Und das Rascheln von Stoff. Sie kann einfach keine Ruhe halten.Vielleicht sollte ich sie doch fesseln. Dann ist die Leuchte dran. Es wird eineSpur dunkler. Jetzt das gedimmte Deckenlicht. Es brennen nur noch die beidenKerzen. Was brauche ich denn noch? Ah, ja. Neben dem Bett sehe ich einFläschchen mit Massageöl. Und was ist das. Wattepads? Auch gut. Alles da, wasich für die zweite Runde brauche. Mal schauen wie das wird. So etwas habe ichnoch nie ausprobiert.

Ich lasse das Öl auf ihrenKörper tropfen. Ooops – das war wohl etwas kühl. Na wenigstens ist sie jetztwieder wach. Ich verteile das Öl auf ihrem Körper. Überall. Ich genieße es,jeden Zentimeter ihrer Haut zu fühlen. Das Öl wirkt wie ein Kontaktgel. Man meintfast, man könnte das Leben unter der Haut spüren. Und da ist eine ganze MengeLeben unter dieser Haut. Ohne das sie es merkt, öle ich mich auch ein. DasFlackern der Kerzen spiegelt sich auf dem Film, der jetzt auf unseren Körpernliegt. Zeit für den nächsten Schritt. Ich teile die Wattepads in kleine Teileund zwirble sie zu kleinen Röllchen. Als ich ihre Ohren damit verschließe, willsie widersprechen. Aber sorry – das ist jetzt mein Spiel. Mit meinem Mundbringe ich ihre Beschwerden zum Verstummen. Gibt eine schönere Art einer Frauzum schweigen zu bringen?

Jetzt bin ich dran. Ich hörekaum noch etwas. Selbst das Rascheln der Stoffs ist weg. Sie schaut ein wenigirritiert. Ich lege meinen Finger auf ihre Lippen. Ich glaube langsam verstehtsie. Als wenn sie es geahnt hätte, blickt sie auf die Kerzen. Ich nicke ihr zuund verlösche die letzte Lichtquelle im Raum. Absolute Dunkelheit hüllt unsein. Nicht dieses Pseudodunkel, an das sich die Augen doch irgendwann gewöhnen.Nein. kein Licht schimmert unter der Tür durch, keine Straßenlaterne drängtsich durch Läden und Vorhänge. Es ist völlig dunkel. Ich höre meine Schrittenicht, nicht ihr Atmen, nicht unsere Bewegungen auf dem Bett. Stille, bis aufdas Eigengeräusch der verschlossenen Ohren, meinen Herzschlag.

Das Massageöl, aufgetragen aufunser beider Körper, ist der dominante Geruch im Zimmer. Jetzt noch einenanderen Duft wahrzunehmen, wäre wahrscheinlich unmöglich. Ich steige auf dasBett, gehe auf die Knie, setze mich auf meine Füße. Dann taste ich nach ihr.Berühre sie zärtlich. Finde ihre Hand und bringe sie dazu, sich mir gegenüberzu setzen. Gar nicht so einfach. Wie tauschen sich zwei Menschen aus, ohne zusprechen, zu hören, zu sehen? Es dauert einen Moment, bis wir uns gegenübersitzen. Wir sind uns nah. Sehr nah. Ich spüre ihren Atem auf meiner Brust. Einkühler erfrischender Hauch auf öliger Haut. Wir tasten nach uns. Unsere Händefinden sich. Sie will mich berühren. Ich wehre ab. Nur unsere Hände sollen sichjetzt liebkosen. Handflächen, Finger, Handgelenk, und nichts lenkt uns ab. Keinoptischer Reiz, kein Geräusch. Wir fühlen nur noch. Ich beuge mich vor. Berühresie fast. Ich glaube ich bin über ihrer Halsbeuge. Hauche ihr über die Haut.Ihre Reaktion bemerke ich nur an ihren Händen. Sie hält mich fest, schaudert.Auch ich spüre jetzt einen Hauchen. Direkt an meiner Wange spüre ich sie. sieküßt mich sanft. Wir küssen uns. Keine anderen Berührungen. Nur unsereineinander verkrampften Hände und unsere Lippen. Wir küssen uns erst sanft, sehrsanft. Kaum, daß sich unsere Lippen berühren.

Nach ihrem netten Vorspiel istes schwer, sich jetzt nur langsam zu steigern. Alles in mir drängt sich danach,mich wild und hart mit ihr zu paaren. Aber das ist ein anderes Spiel, und sollein andermal gespielt werden. Ihr Kuß wird fordernder. Sie drängt sich näher zumir. Ich kann jetzt die Spitzen ihrer herrlichen Brüste an meiner Brust spüren.Ich fasse ihren Kopf mit meinen Händen, streichle sanft ihren Hals, ihreWangen, fasse fest in ihr Haar. Unser Kuß wird fast brutal. Zeit zu bremsen.Ich umarme sie, halte sie fest. Es ist ein wahnsinniges Gefühl. Auch sie drücktsich fester an mich, beißt mir sanft in den Hals. Ich bekomme ein leichteGänsehaut.

Jetzt trennt sie sich wieder.Sie kann es einfach nicht lassen. Immer muß sie selbst … ich spüre ihreHände. Irgendwie muß sie die Flasche mit dem Öl gefunden haben. Wahrscheinlichhat sie es sich zurechtgelegt, die kleine Hexe. Sie hält meinen Prinzen ineiner Hand und läßt das Öl darüber laufen. Eine Menge Öl. Ihr Griff wirdfester. Sie zieht die Vorhaut nach unten und entblößt die empfindliche Eichel.Ich kann nur erahnen was sie tut. Fühle ihre Finger. Ich kann nicht verhindern,daß sich „dort“ etwas tut. Dafür ist sie viel zu erfahren. Natürlichantwortet er ihr sofort. Aber was ist denn das. Sie ist weg. Ich sitze alleineauf dem Bett. Ich nehme nichts wahr. Soll ich nach ihr tasten?

Sie nimmt mir die Antwort ab.Ich weiß nicht wie ich es bemerkt habe. Ich weiß einfach, daß sie sich nähert.Trotz des schweren Geruchs des Öls nehme ich jetzt noch etwas anderes wahr. Esmuß sehr nah sein, damit ich es riechen kann. Es ist ein herber Duft. Ein Artvon Duft, die ich sehr wohl kenne. Sie ist jetzt sehr, sehr nah. Ich versuchemir vorzustellen, wie sie vor mir steht, als ich ihre Hand an meinem Hinterkopfspüre. Sanft dirigiert sie mich zu ihrer Scham. Mit geöffneten Lippen suche ichnach ihr. Und finde sie. Sie muß ihr Becken vorstrecken, hält ihre Scham weitauseinander. Meine Lippen schließen sich um ihre Knospe. Sie kommt weiter nachvorn und schiebt mir meinen Kopf in den Nacken. So kenne ich Face-Sitting nochnicht. Fordernd bewegt sie ihr Pfläumchen über meinem Mund, zeigt mir, wo ichsie als nächstes verwöhnen soll. Mit ihrer Hand an meinem Kopf zeigt sie mir,ob es jetzt härter oder zarter sein soll. Ich spüre wie sie feuchter wird.Feucht? Naß. Ihre Bewegungen werden langsam heftiger. Ich spüre ersteZuckungen.

Bevor ich sie allerdingsunterbrechen kann, hat sie selbst gemerkt, daß es noch zu früh ist. Ich nehmeihren Hintern in meine Hände und führe sie, während sie nach unten rutscht. Sieweiß was sie tut. Sie ist noch weit geöffnet, mein Prinz hochaufgerichtet. Sogleite ich in sie hinein. Oder sie über mich? Sie umarmt mich, küßt meinGesicht. Ich umfasse ihre Hüften, habe ihren Hintern wieder in meinen Händen,bin ganz tief in ihr. Tiefer und intensiver als vorher. Ich spüre wie sie sichum mich schließt, wie sie versucht, mich in sich fest zu halten. Langsam, ganzlangsam beginnen wir uns zu bewegen. Wir finden auf Anhieb einen gemeinsamenRhythmus. Mit meinen Händen ziehen ich bei jeder ihrer Bewegungen ihre Backenetwas weiter auseinander und suche nach ihren Anus. Wir sind so in Öl gebadet,daß meine Finger wie von selbst in sie eindringen. Meine Finger spüren meinenSchwanz durch die dünnen Häute zwischen Darm und Vagina. Ihre Bewegungen werdenheftiger. Es bleibt mir nur noch entgegen zu halten, mit meinen Fingernentgegen ihrer Bewegung in sie zu dringen.

Bis sie plötzlich innehält. Wirlösen unsere Oberkörper voneinander. Meine Hände ziehe ich zurück. Nur“dort“ berühren wir uns noch. Ich stütze mich mit den Händen hintermir ab, kann nur annehmen, daß sie es auch so macht. Unsere Hüften kreisen,kommen sich entgegen. Meine Wahrnehmung beschränkt sich ganz auf diesenBereich. Nichts stört unsere beginnende Ekstase. Keine Ablenkung. Nur Fühlen.Nur Lust. Wir steigern uns langsam, halten immer wieder inne um den Akt zuverlängern, werden wieder heftiger. Ich bemerke, wie mein ganzer Körper zu schwitzenbeginnt. Alles in mir bereitet sich vor. Sie kommt mir wie wild entgegen. Suchtnach mir, wir umarmen uns wieder, küssen uns, während sie sich schwer auf michfallen läßt, sich selbst pfählt. Wieder und immer wieder.

Seit Beginn unseres Spiel das ersteGeräusch, das ich höre: Unser Münder, wie miteinander verschweißt übertragenihr beginnendes Stöhnen. Ich kann ihre Erregung fühlen, überall. Ist das nurEinbildung oder wird es plötzlich irrsinnig heiß in ihr. Und eng. Sie küßt michfaßt brutal und … bricht los. Wie eine geöffnete Schleuse bricht es aus ihrheraus. Ich kann kaum etwas hören. Aber ich spüre sie. Ihr Orgasmus entlädtsich über ihren ganzen Körper. Ich spüre es in ihr, ich bemerke es an ihremKuß, ihrer Umarmung, ihren zuckenden Muskeln. Ich zerfließe unter ihr, ist essie oder mein aufsteigender Erguß, der mich wieder schwindeln läßt?

Ein letztes Mal bäumen wir unsauf, sinken erschöpft und schwer atmend aufeinander. Schweißgebadet halten wiruns gegenseitig aufrecht, lehnen aneinander. Nur langsam beruhigen wir uns. Ichhabe jegliches Zeitgefühl verloren. Ich weiß nicht wie lange wir so schon hiersitzen. In völliger Dunkelheit. Völliger Stille. Nur mit dem Gefühl, denanderen zu spüren.

Weitere Beiträge
"Last Exit – Das letzte Mal" von Carola Heine