Mehr Mut zur Normalität

Jede Beziehung durchläuft Höhen und Tiefen der Lust. Oftmals ist es so, dass am Anfang einer Beziehung, wenn beide frisch verliebt sind, es ordentlich knistert und funkt. Nach ein paar Jahren, oder wenn man zusammengezogen ist, wird es meist weniger, auch wenn die Liebe noch vorhanden ist. Trotzdem oder gerade deswegen überschwemmen immer mehr Erotikratgeber den Markt und fordern zu noch größerer Lust heraus: Sei es „Onanieren für Profis. Das Orgasmusbuch, öfter und intensiver kommen.“, das selbst noch den Sex mit sich selbst professionalisieren möchte, oder „Das Schwanzbuch, Tuning für dein bestes Stück.“ für unseren schwulen Freunde, das zum Ziel hat, den Penis aufzumotzen wie ein besonderes Auto.

Die angeblich leichten und sofort wirkenden Ratschläge sind sehr gefragt: Jede Frauenzeitschrift hat in jeder ihrer Ausgaben Ratschläge und Tipps in Sachen Sex:

Das macht wirklich sexy: 15 ganz neue Erkenntnisse der Liebesforscher +++ Sex: Korrekt fremdgehen +++ Die 10 besten Übungen für einen sexy Bauch +++ So dressieren Sie jeden Mann +++ Rauben Sie ihm den Verstand! Die magische Formel für unvergessliche Liebesnächte +++Der allerbeste war jedoch: „Der beste Sex ihres Lebens, und wie sie ihn noch heute Abend erleben können.“

Gerade wenn man sich diese Locktitel in der Masse anschaut, merkt man erst einmal wie sehr damit Druck aufgebaut wird. Alles ist muss sexy sein, die Haare, das Make-Up, die Schuhe, die Taschen und der Bauch. Man muss „korrekt Fremdgehen“, den Mann „dressieren“, Sexspiele ausprobieren, Stressfallen entlarven und auf jeden Fall viel mehr Spaß beim Sex haben. Wie soll das denn noch gehen, nach all diesen Ratschlägen?
Ich gebe Ihnen hiermit mal einen Tipp: Lesen Sie keine Sextipps in den Zeitschriften mehr! Denn diese Tipps erzeugen Bilder, die dadurch wirken, dass sie beständig wiederholt werden. Wenn Sie immer wieder lesen, wie scheinbar einfach Ihr Sex noch viel toller werden kann, wird Ihnen Ihre eigene Sexualität irgendwann zu langweilig vorkommen, unabhängig davon, ob das stimmt oder nicht.

Nehmen Sie sich lieber die Zeit in sich selbst hineinzuhorchen, was Sie sich eigentlich wünschen. Möchten Sie wirklich häufiger Sex? Oder in einer anderen Art? Und falls ja, geht es wirklich darum, das beim Sex zu erleben oder ist der Wunsch nach mehr Sinnlichkeit und Entspannung auch etwas, was Sie für sich selbst entdecken können? Zum Beispiel indem Sie sich einmal genüsslich massieren lassen oder sich einfach öfter mal in die Badewanne legen und sich mit wohlriechenden Aromazusätzen verwöhnen?

Sie haben nur einmal im Monat Lust auf Sex? Oder gar nicht? Sie haben einfach nur ganz pragmatischen Sex ohne ekstatische Verschmelzung? Sie haben keine Lust auf Dessous und der Vibrator liegt seit Wochen ungenutzt herum? Ist ihr Sex nach 20 Minuten vorbei, aber sie fühlen sich damit wohl?
Solange es Ihnen damit gut geht, brauchen Sie auch kein schlechtes Gefühl zu haben, dass sie so „normal“ sind. Sex ist kein Hochleistungssport! Also genießen Sie sich und ihr Sexleben einfach so, wie sie sind!

Silke Maschinger
Sexual-Coach www.silke-maschinger.de

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