Mein erstes Tantraseminar

Ich muss gestehen, ich hatte immer ziemliche Vorbehalte gegen Tantra. Dabei kenne ich etliche Menschen, die das praktizieren, darunter auch gute Bekannte und Freunde. Ein ganzes Wochenende mit fremden Menschen, vielleicht sogar nackig in einem Seminarraum? Andere berühren, die ich vielleicht gar nicht mag? Andere, die mich anfassen wollen? Am Ende noch Sex mit anderen?

Das wollte ich nicht, das war mir zu viel. Doch meine Neugier ließ mich nicht los und ich beschloss, es mir für einen Tag mal anzuschauen. Ich meldete mich mit meinem Mann zu einem Tagesseminar an und ein befreundetes Pärchen meldete sich gleich mit an.

Der Tag kam, ohne dass ich mir weiter Gedanken darüber gemacht hätte, was dort passieren würde. Als wir dort ankamen, stellte sich dann heraus, dass die anderen Teilnehmer,die sich angemeldet hatten, abgesagt hatten. Wegen plötzlich aufgetretener Magen-Darm-Probleme oder weil der Freund nicht mitkommen könnte. So waren wir also 3 Pärchen. Wir, die Freunde und die Tantra-Leiter.

Ich wusste selbst nicht, ob ich das gut finden sollte. Einerseits fand ich es gut, dass niemand unbekanntes dabei war (man weiß ja nie, wer einem begegnet), andererseits fand ich es auch irgendwie merkwürdig, dass wir unseren Freunden nun auf eine ganz neue Art begegnen würden.

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Aktualisiert am 18. Juli 2021 14:34

Sich im Körper spüren

Doch die Bedenken waren schnell verflogen. Alle kleideten sich in Lunghis (Tücher), die Männer um die Hüften gebunden, die Frauen verknoteten das Tuch zu einem luftigen Kleid. Das Seminar begann damit, dass wir im Raum umher tanzten, unsere Körperglieder schüttelten, einander begegneten, uns dehnten und streckten. Kurz: ein Gefühl für den eigenen Körper zu finden, den Alltag hinter uns zu lassen und einfach lockerer zu werden. Im Laufe der Körperübungen entstanden körperliche Kontakte,unbeschwert und locker, spielerisch nah.

Bei einigen Sprüngen waren zwischendurch unbeabsichtigt die ersten Hüllen gefallen, doch noch wurden sie immer wieder hochgezogen und befestigt. Es war wohl noch zu früh um alles fallen zu lassen. Mittlerweile tanzte jeder mal mit jedem,die Berührungen wurden länger, man wurde mutiger gestreichelt, der Atem wurde bei einigen tiefer und lustvoller. Wenn sich eine Hand dann doch etwas weit vor gewagt hatte, so war es kein Problem, sie einfach freundlich wieder weg zuschieben.

Die Augen blieben derweil geschlossen, so dass man zwar manchmal jemanden z.B. an der Behaarung erkennen konnte, aber sich doch nie so wirklich sicher war, wem man da begegnete. Die eigene Neugier, was die anderen so machen, wurde ebenfalls durch die geschlossenen Augen auf kleiner Flamme gehalten. Die Konzentration auf sich selbst, das Zusammenspiel mit den anderen und das Fühlen der Berührungen wurde dadurch verstärkt.

Nach den ersten zwei Stunden äußerten wir in einer kleinen Runde Wünsche an den Tag. Die gingen einheitlich in Richtung Massage. Außerdem wurde auch gefragt, wie offen die Paare mit anderen erotischen Kontakten umgehen wollten. Welche Grenzen gab es, was war möglich?

Auch hier waren sich die Paare einig: es gab kein generelles Ja oder Nein, sondern eher die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, in dem Wissen, dass man auch jederzeit, wenn etwas zu viel wird, Nein sagen kann.

Sinnliche Massagen

Nach der Mittagspause ging es dann wie gewünscht mit Massagen weiter. Immer zwei haben sich mit einer dritten Person beschäftigt. Dabei ging es nicht gezielt um erotische Massagen, sondern darum, dass sich der Massierte entspannen konnte. Das war eine schöne Übung, um sich im Nehmen bzw. Geben zu üben.

Aufgrund der Gruppengröße durften die Paare sich einen der Leiter aussuchen, der dann bei der Massage mitmachte. Wie sich hinterher herausstellte, wurde bei der einen Gruppe klar gefragt, was möglich ist, z.B.Ist Busen streicheln ok? Ist Eindringen ok? Bei der anderen Gruppe wurde eher allgemein gefragt, ob es irgendwelche Grenzen gäbe.

Die anschließenden Massagen dauerten jeweils ungefähr eine Stunde. Mit sehr viel Öl massierten jeweils zwei die dritte Person.

Es war nicht so einfach, sich wirklich die Zeit zu nehmen. Es ging auch nicht darum, etwas richtig oder besonders fest zu machen, sondern wir sollten darauf achten, was unsere Hände machen möchten. Nicht nachdenken,sondern den Impulsen folgen. Wenn man unsicher war, ob es zu fest oder zu weich war, sollte man nachfragen. Ebenso war es wichtig, wenn man massiert wurde, zusagen, was man mehr bzw. was man weniger haben wollte.

Alles durfte sein. Es gab Freude und Gelächter, Tränen der Entspannung, tief-berührt-sein, zarte Lust und Erregung. Die Berührungen waren nicht zielgerichtet, sondern verspielt und sinnlich. Fast alles wurde berührt, gestreichelt und geknetet, je nach Wunsch bestimme Regionen außen vor gelassen(z.B. der Bauchnabel) oder aber besonders intensiv versorgt (z.B. Kopf). Geschlechtsverkehr gab es nicht, aber den ein oder anderen Orgasmus.

Jeder trug die Verantwortung für sich selbst. Doch eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu äußern ist nicht immer so einfach, man möchte dem Partner ja den Spaß nicht verderben. Oder man weiß gerade selbst nicht genau, warum einen die Berührung stört, doch bevor man darüber nachdenken kann, ist sie schon vorbei.

Nachwirkungen

Im Nachhinein habe ich diesen Tag noch mal in Ruhe durchdachte und festgestellt, dass ein Tantra-Workshop eine Herausforderung ist. Es kann passieren, dass ein anderer Teilnehmer in spielerischer Freude die eigenen Grenzen überschreitet. Man begegnet nicht nur anderen Menschen, sondern auch sich selbst, den eigenen Wünschen, Ängsten oder Unsicherheiten. Aber natürlich erlebt man auch Spaß, Freude, Begegnung und ist vielleicht auch von sich selbst überrascht, was aus dem Inneren entsteht, wenn man es denn nur mal loslässt.

Bei einem Tantraseminar kann Lust und Erregung entstehen, wird aber weder forciert noch unterdrückt. Das macht es so frei, das kommen zu lassen, was kommen will.

Das Schöne ist, dass dort alles seinen Platz findet. Das Erleben von Grenzen (der anderer und der eigenen) und das Ausprobieren bzw. Erleben ungewohnter Verhaltensweisen, ermöglicht einem eine Begegnung mit sich selbst. Durch das mit anderen und sich selbst in Kontakttreten, erkennt man dann auch, wo man sich vielleicht selbst einengt oder wo man auch schon sehr frei ist. Selbsterkenntnis und Befreiung sind die Ziele solch eines Workshops.

Tantra ist nicht gleich Tantra

Wer neugierig ist, sich auch einmal auf so ein Seminar einzulassen, dem möchte ich folgendes raten:

Sprich mit den Leitern des Seminars und schaue, ob sie dir sympathisch sind. In meinem Falle war es so, dass die beiden Leiter sehr spontan, locker und humorvoll waren, was mir sehr entgegen kam. Andere wiederum sind vielleicht eher ernst oder ruhig. Natürlich wird das, was in einem Seminar nicht nur von der Leitung, sondern auch von der Gruppe bestimmt, aber die Veranstalter setzen den Ton für den Workshop. Frage die Leiter, was geschehen wird. Spreche darüber, welche Grenzen du hast und ob die respektiert werden. Jede Tantra-Schule und jeder Lehrer bzw. jede Lehrerin hat da unterschiedliche Pläne, was in einem Seminar passieren soll und was nicht. In manchen ist ein Vereinigungsritual (Geschlechtsverkehr) fester Bestandteil, wobei es unterschiedlich sein kann, ob man das mit dem eigenen Partner macht oder mit einem anderen Teilnehmer. Bei anderen wiederum geht es weniger um die Begegnung mit anderen, sondern darum, sich selbst achtsamer wahrzunehmen.

Ein Abend oder ein Tagesworkshop ist eine gute Möglichkeit, um die Lehrer/innen kennenzulernen, doch wer tiefer arbeiten möchte, der sollte ein Wochenende buchen oder eine ganze Seminarreihe.

Als Paar, das sich anderen eher weniger öffnen möchte, empfehle ich ein konkretes Paarseminar zu besuchen. Und besonders wichtig finde ich eine spätere Reflexion über das Erlebte. Gerade als Paar, aber auch als Einzelperson sollte man sich in den Tagen danach noch mal intensiv damit beschäftigen, was man erlebt hat und welche Erkenntnisse man daraus zieht.

Je klarer man weiß, was man erleben möchte (oder eben auch nicht), um so leichter wird es sein, das richtige Seminar herauszufinden. Denn es ist klar: vor Überraschungen ist man niemals sicher. Aber genau das macht es ja aus, so ein Tantra-Seminar: sich auf neue Situationen einzulassen und immer wieder mehr über sich und auch andere zu erfahren und voneinander zu lernen.

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